ERSTE ERFAHRUNGEN

 

"Als junger Pater wurde ich fast jeden Sonntag auf Aushilfe geschickt. Das Jahr 1947 wurde gewissermassen mein Schicksalsjahr. Zehn volle Monate hatte ich ein Bergdorf an einer herrlichen Sonnenhalde zu betreuen.

 

Am Feste Maria Lichtmess brach sich eine Frau in den fünfziger Jahren den Oberschenkel und lag deswegen drei volle Monate im Spital. Als sie heimkehrte, besuchte ich sie alle 14 Tage und Tat meine Pflicht als Geistlicher. Sie kam aber nicht zu Kräften, sondern wurde zusehends schwächer. Ende Juni des Jahres hatte sich ihr Zustand so verschlechtert, dass sie weder essen mochte, noch Schlaf finden konnte. Ihr Gesicht war gelb, der Unterleib aufgetrieben und die Beine waren stark angeschwollen. Da fasste ich mir ein Herz und sagte ihr, sie solle die vom Arzt verordneten Schwitzpillen weglassen und stattdessen alle Viertelstunden einen Schluck Hagebuttentee trinken. Denn so hatte ich einmal in „Salvia“, der von Pfarrer Künzle redigierten Zeitschrift, gelesen: „Beginnende Wassersucht kannst mit Hagebuttentee bekämpfen; wenn’s aber vom Saufen kommt ist nichts mehr zu machen!“ Auch Verbot ich der Frau strikte jeden Bohnenkaffee. Ich verschrieb ihr jeden Tag eine gehörige Portion Holdermus und vor dem Schlafengehen zwei Äpfel. Dann kehrte ich wieder ins Kloster zurück.

 

Dort erst kam mir die Schwere meines Tuns so recht zu Bewusstsein. Am nächsten Sonntag wagte ich keinen Schritt in jedes Haus. Aber acht Tage später musste ich doch hingehen, um mein Amt als Seelsorger auszuüben. Als ich in die Stube trat, sass die Frau freudestrahlend auf ihrem Kanapee und sagte: „Jetzt kann ich wieder schlafen und mag auch wieder essen. Das Schwitzen hat aufgehört.“ Tatsächlich sah das eine Bein bereits wieder normal aus. Nach zwei weiteren Wochen war die Frau vollends hergestellt und ging wieder ihrer gewohnten Arbeit nach. Nur ein leichtes hinken mit dem einen Bein war ihr geblieben.

 

Freilich belehrte mich später der berühmte Kräuterheilkundige und Pendler Pfarrer Emmenegger in Maienfeld, ich solle in Zukunft nie mehr Hagebuttentee unvermischt geben, sie griffen sonst auf die Dauer das Herz an. Vier Jahre später kam ich vom Kloster weg an einen nicht sehr grossen Seelsorgeposten in einem bündnerischen Seitental. Die Kranken lagen mir auch dort ganz besonders am Herzen. Die Betreuung der Kranken ist ein wichtiger Teil der Seelsorge. - Es ist merkwürdig, dass mir die Vorsehung stets zur rechten Zeit das Richtige in die Hände spielte. Zuerst erhielt ich das grosse Heilbuch des Pfarrers Kneipp. Dann sah ich bei einem Mitbruder das Yoga Buch des indischen Arztes Doktor Yesuidan. Derselbe Mitbruder wies mich hin auf Camille Droz‘ Broschüre: „Das Kohlblatt und seine wunderbaren Heilwirkungen“.

 

Ein seit frühester Jugendzeit anhaftendes Leberleiden samt seinen unangenehmen Folgen trieb mich zum Kuren, und siehe da, der Erfolg blieb nicht aus.

Bei den zahlreichen Krankenbesuchen bei jung und alt sah ich nicht nur viele Arten von Krankheiten, sondern wurde selber immer mehr um Rat gefragt. Der erste Fall, den ich mit Kohlblatt behandelte, war folgender. Ein Mann hatte ein lästiges Ekzem an der Hand. Der Arzt hatte mit Salben das Ekzem vom einen Ende der Hand zum anderen getrieben. Ich riet dem Mann, Tag und Nacht Kohlblätter aufzulegen. In zwei Wochen war das Übel gebannt.

 

Bei einem nächsten Fall kam eine verzweifelte Frau zu mir. Sie hatte einen hochroten Kopf, Arme und Beine aber waren eiskalt und zitterten. Nach Angaben des Pfarrers Kneipp handelte es sich hier um Hyperämie, eine Störung des Kreislaufs. Nach Kneipp verordnete ich 2 bis 3mal täglich Fusswechselbäder, dazu das Lapidar Nr. 4 von Pfarrer Künzle. Nach einem Monat war die Frau geheilt. Ich hatte auch Abbé Mermets Buch „Das Pendel“ gelesen, ebenso P. Kunibert Mohlbergs „Briefe an Tschü“. So wusste ich bereits einiges über den schädlichen Einfluss der unterirdischen Wasserläufe unter Schlafstellen. Eines Tages bat mich die Präsidentin des Müttervereines, einmal bei Frau Anna nachzusehen, es stehe nicht gut mit ihr. Diese Frau stand in der Mitte der Fünfzigerjahre. Sie zitterte, und Hand in Hand mit dieser Erscheinung trat ein merklicher Kräftezerfall ein. War es Krebs? Der Arzt war ratlos. Ich hatte einmal einem Buben im Religionsunterricht ein Coca-Cola-Hütchen abgenommen, und dieses diente mir nun anstelle der Taschenuhr als Pendel. Ich ging in das Haus, wo die Frau wohnte, und untersuchte es auf Wasserstrahlen. Es stellte sich heraus, dass die Frau just auf einer starken Wasserader schlief, die der Länge nach in etwa 20 m Tiefe unter dem Bette durchging. Dasselbe stellte ich beim Küchentisch fest, wo die Frau meist arbeitete. Ich legte dort Bakelitteller unter das Bett und unter einen Teppich auf dem Boden. Nach einem Monat hatten das Zittern und die Schwäche ohne ein weiteres Medikament aufgehört!

 

Eine Frau bekam an einer Backe eine verdächtige Geschwulst. Der Arzt stach die Geschwulst auf, aber es kam weder Wasser noch Eiter zum Vorschein. Wiederum stand die Frage da: Krebs? Der Arzt schickte die Frau zur Untersuchung in ein Spital. Nach dreiwöchigen Proben waren alle Ergebnisse negativ, und man riet der Frau zur Operation. Das wollte sie aber nicht, und nach Hause zurückgekehrt, klagte sie mir ihr Leid. Ich konsultierte Pfarrer Kneipps Heilbuch. Und dort stand: „Harte Geschwulste heilt man mit Auflagen von Eichenrindenabsud.“ Nachts legte die Frau nun ein feuchtes Tüchlein auf, das in Eichenrindenabsud getaucht worden war. Tagsüber betupfte sie damit immer wieder die Geschwulst. Nach zwei Wochen war die Geschwulst verschwunden.

 

Die betreffende Frau hatte einen 19-jährigen Sohn, der einen Karbunkel am Hals hatte, eingesäumt von sechs Eissen. Der Bursche hatte auch schon Temperatur und schlich wie ein zum Tode Verurteilter umher. Was tun? Seine Mutter hatte Vertrauen zu mir gefasst und bat mich um Hilfe. Ich verordnete dem Burschen strenge Bettruhe und veranlasste seine Mutter, morgens, mittags und abends immer wieder frische Kohlblätter aufzulegen. Die Karbunkel brachen auf und verbreiteten einen fürchterlichen Geruch. Nach drei Wochen aber war das Übel behoben und kehrte nicht wieder.

 

Ein alter Mann hatte sich am Schienbein eine schlimme Infektion zugezogen. Das Bein war stark angeschwollen und verfärbt. In zwei Wochen hatte das Kohlblatt alle eiternden Stoffe herausgezogen und die Wunde schloss sich wieder. Ein schwer kranker Mann bekam eine Thrombose an einem Bein. Auch hier sah das Bein nach Kohlblattauflagen zwei Wochen später wieder normal aus. Ich muss aber gestehen: es mochten ebenso wie das Kohlblatt auch die Spritzen des Arztes geholfen haben.

In einem Fall brauchte man meine Hilfe nicht. Da rief mich eine Mutter zu ihrem angeblich schwer kranken Buben. Sie erzählte mir voller Besorgnis, dass der Bub zu allem auch noch Blut im Urin habe; er müsse wohl sterben! Ich betrachtete den Inhalt des Nachtgeschirrs und fragte, ob der Bub kürzlich Randen (rote Rüben) gegessen hätte. Die Frau bestätigte meine Vermutung! In diesem Falle brauchte der „Patient“ keine Medizin!

 

In einem anderen Fall, wo eine Mutter bewegt klagte, dass mit ihrem Buben etwas nicht geheuer sei, er müsse wohl sehr krank sein, er bekomme ständig Schwindelanfälle, klärte sich die Sache bald auf, als herauskam, dass der Junge täglich bis zu zwei Päckchen Zigaretten rauchte...

 

So gingen zwölf volle Jahre im abgelegenen Bergtal dahin, wo ich mit dem Volke Freud und Leid teilte, den Wechsel der Jahreszeiten in Gottes freier Natur erleben durfte, im Winter die Kälte, im Sommer die Hitze. Ich kümmerte mich um die vielen Nöte der Erdenpilger, taufte die angekommenen Erdenbürger und bestattete die müden Erdwanderer zur letzten Ruhe. Dann rief mich der Gehorsam wieder auf einen Einzelposten in den östlichsten Zipfel des Schweizer Landes, wo das von Kaiser Karl dem Grossen gestiftete Kloster des Heiligen Johannes des Täufers steht. Seit Mitte des 12. Jahrhunderts ist es ein Frauenkloster und ich hatte es als Spiritual und Verwalter zu betreuen. Nach 12 Jahren wäre ich gerne wieder zu meinen Mitbrüdern in mein Heimatkloster am jungen Rhein zurückgekehrt, und so fiel mir der Gang ins Münstertal nicht leicht. Meine gute alte geistliche Mutter aber tröstete mich: „Geh du nur, du bekommst nie so viel Gebet wie bei den Klosterfrauen.“ Und wahr war es, und ist es auch heute noch.

 

Als ich am neuen Bestimmungsort angekommen war, musste ich bald feststellen, dass ich nie ruhig schlafen konnte. Nachts gab es immer schwere Träume und plötzliches Aufschrecken, obwohl ich jeden Abend nach dem Essen noch längere Zeit ins Freie ging. Immer träumte mir, ich sei in einem riesigen alten Gebäude. Ich irrte durch Zimmer und Gänge und fand keinen Ausgang. Dann nahm ich mein Pendel und stellte eine starke unterirdische Wasserader fest, die schräg unter meinem Bett dahinfloss. Ich setzte drei dünne Bakelitteller ein, und nun schlief ich tief und ungestört, bis mich die Konventglocke noch vor 5:00 Uhr aus dem Schlafe rief.

 

Der Händler, der mir die Bakelitteller verkauft hatte, wollte wissen, wozu ich diese Katzenteller verwendete. Ich sagte es ihm. Da fragte er mich, ob ich nicht einmal nachsehen würde, seine Frau bekomme nachts immer so schreckliche Beinkrämpfe und leide an rasenden Kopfschmerzen. Wir legten Bakelitteller unter das Bett, die Krämpfe verschwanden und auch das Kopfweh wurde erträglich. Der betreffende Händler war zugleich Wirt, und da in einem Wirtshaus immer das Neuste verhandelt wird, sprach sich die Sache bald herum. Es kam eine Mutter mit einem zwölfjährigen Buben, der jede Nacht schrie und im Bette aufsprang. Der Fall trotzte der Kunst des Arztes, der lediglich eine Herzstörung feststellte. Ich untersuche das Haus, wo der Bub daheim war. Unter seinem Bett floss in 18 m Tiefe eine starke Wasserader, nicht weit von der Lage des Herzens. Ich setzte zwischen die Matratzen einen gewöhnlichen Kupferring von 28 cm Durchmesser ein, und von jenem Tag an hat der Bub seinen gesunden, festen Schlaf.

 

Ich lernte auch Feriengäste kennen. Und hier bekam ich einen besonders interessanten Fall. Ein Herr, ungefähr 50 Jahre alt, wurde mir vorgestellt. Er litt an Knochenabbau, und der ihn behandelnde Arzt hatte ihm gesagt: „Ihr Fall ist unheilbar, sie müssen in einem Jahr mit ihrem Ableben rechnen!“ Dasselbe sagte ihm auch ein Spezialist in München, den er aufgesucht hatte. Auch dieser konnte ihm keine Hoffnung machen; zusätzliche Vitaminspritzen könnten den Zerfall höchstens einige Wochen aufhalten.

 

Der Fall interessierte mich. Wenn ich eine Pendeluntersuchung anstelle, befolge ich die Ganzheitsmethode, die auch Pfarrer Kneipp, Pfarrer Künzle und Pfarrer Emmenegger anwandten. Ich befasse mich mit dem ganzen Menschen und beschränke mich nicht auf die Untersuchung kranker Organe allein. Ich stellte im besagten Falle eine vollständige Verschleimung der Lunge und der beiden Brustfelle fest. Nun war mir klar, wo der Knochenabbau herkam: Der Mann litt an starkem Sauerstoffmangel. Ich verordnete nachts und morgens kräftige Einreibungen mit Olivenöl, nachts Auflagen von Kohlblättern auf die Brust und täglich einen zweistündigen Spaziergang, ohne dabei zu schwitzen. Auch empfahl ich täglich eine gehörige Portion Haferflocken in zusagender Weise. Nach einigen Tagen erschienen auf beiden Seiten starke Ekzeme, die in zwei Wochen wieder abklangen. Nach drei Monaten bekam ich die Nachricht, dass der Knochenabbau aufgehört habe und der Herr bereits wieder zu 80% arbeiten könne. Nach zwei weiteren Monaten war er vollständig geheilt. Es sind nun beiläufig 5 Jahre her und der betreffende Herr arbeitet wieder wie in seinen jungen Jahren…

Allmählich meldeten sich auch Ratsuchende aus dem benachbarten Südtirol. Eines Tages erhielt ich eine Nachricht von einem zweiundsechzigjährigen Herrn, der am linken Bein an Arterienverschluss litt. Er musste ständig liegen, und die Ärzte verlangten dringend die Amputation des absterbenden Beines. Er wollte das nicht und wandte sich an mich. Als Ursache seiner Erkrankung stellte ich Störungen durch eine unterirdische Wasserader fest. Wir setzten zwei Kupferringe ein, einen unter die Halsgegend, den anderen unter die Kniegegend. Ich liess das kranke Bein morgens und abends von oben bis unten in Kohlblätter einwickeln. Drei Monate lang erhielt ich keine Nachricht. Dann trat der Mann eines Tages unerwartet in mein Büro. Freudestrahlend sagte er mir: „Hochwürden, mein Bein ist wieder gesund! Schauen Sie hier!“ Zwei Monate später kam derselbe Herr mit seiner Frau zu mir. Auch sie klagte über Beschwerden. Ich fragte ihn beiläufig, wie es mit seinem Bein gehe: „es geht mir nicht übel, aber die Zehen werden mir wieder kalt.“ Der Mann hatte die Kupferringe entfernt, setzte sie aber über mein Anraten sofort wieder ein. Wieder vergingen zwei Monate, und der Mann erschien erneut in meinem Büro. „Aber jetzt, Hochwürden, beginnt es wieder von neuem, und zwar oben am Bein.“ Ich pendelte und fand lediglich eine Muskelzerrung. Da platzte der Mann heraus: „Ja, Hochwürden, jetzt weiss ich warum! Ich bin letzthin vor lauter Freude über den Tisch gehüpft, daher kommt es!“ Er massierte die schmerzende Stelle zwei Wochen lang mit Olivenöl und geht heute wieder umher wie ein Junger!

 

Noch einen der interessantesten Fälle, die ich erlebt habe, möchte ich erzählen. Eine Mutter mit einem neun Monate alten Knaben kam zu mir und sagte: „Der Bub schreit tags und nachts, die Ärzte haben bereits einen Gallengangverschluss operiert, sie können nicht mehr helfen, das Kind muss sterben.“ ich untersuchte das Kind mit dem Pendel. Als Hauptursache stellte ich eine Wasserader fest, welche die verhängnisvollen Störungen verursachte. Ich fertigte selber zwei Kupferringe von 8 cm Durchmesser an und liess sie an Ort und Stelle im Bettchen des Kindes einsetzen. Weiter meldete das Pendel eine starke Entzündung am Kleinhirn. Die Mutter bestätigte: „Tatsächlich fährt der Bub mit dem Händchen immer gegen den Nacken!“ die Frau musste nun auf meine Anordnung dem Kinde vier Wochen lang morgens und abends Kohlblatt auf den Nacken auflegen, oder wenn das an einem Tag aus irgendeinem Grund nicht möglich war, an diesem Tag den Nacken des Kindes am Morgen 2 Minuten lang mit reinem Olivenöl einreiben und dann abtrocknen. Weiteres verschrieb ich dem Kinde Haferschleim, damit es zu Kräften komme. Auch für die Gallengegend empfahl ich Kohlblattauflagen. 

 

Nach sieben Wochen erschien die Frau wieder bei mir. Sie dankte bewegt. Ihr Kind war gerettet!

Hier war kein Wunder geschehen. Wohl hatte ich das kranke Kind im Gebet empfohlen, aber es wurde behandelt mit rein natürlichen Mitteln, die ihre Zeit zur vollständigen Heilung brauchen. Gott aber gebührt die Ehre, weil er zur rechten Zeit das richtige Heilmittel finden liess"(P. Thomas Häberle, Helfen und Heilen, Residenz Verlag, S. 14 ff)!