ÖLTEST

 

"Ein weiteres Heilmittel ist das Olivenöl. Ich bin darauf gekommen durch das berühmte Gespräch zwischen Papst Leo XIII. und Pfarrer Kneipp. Ganz beiläufig erwähnte Papst Leo, er wisse aus der römischen Geschichte von einem Kaiser, den die Ärzte wegen eines Leberleidens bereits aufgegeben hatten. Aber der Kaiser liess sich nicht unterkriegen; er massierte die kranke Leber mit Olivenöl und rieb nachher noch Salz ein. So hätte er seine Gesundheit wiedergefunden. Ich experimentierte daraufhin auch mit Olivenöl und zog dabei immer das Pendel zu Rate, genauso wie bei den Anwendungen von Kohlblatt.

 

Wo das Pendel nicht positiv reagiert, nützen natürlich auch Kohlblatt und Olivenöl nicht. Das ist besonders dann der Fall, wenn es sich um Krebs handelt und die Krebsstoffe bereits im ganzen Blut zerstreut sind. Man kann dann höchstens die Krankheit von einem Organ zum anderen treiben, aber Heilung kommt nicht meher zustande. Die Heilwirkung des Olivenöls ist bereits in der Hl. Schrift genannt. Der Barmherzige Samariter reinigte zuerst die Wunden des Mannes, der in die Hände der Räuber gefallen war, mit Wein. Dann goss er Öl in die Wunden, damit die Heilung rascher voranschreite.

Das Olivenöl wärmt und heilt. Bei allen rheumatischen Leiden helfen Einreibungen mit Olivenöl. Bei Ischiasnervenentzündung und bei Sehnenscheidenentzündungen soll man aber nicht massieren, sondern bloss reiben. Nach den Einreibungen trocknet man da Öl wieder ab. Es ist zum Teil bereits reichlich in die Haut eingedrungen.

 

Das Olivenöl hat eine besondere Wirkkraft auf erkrankte Knochen. In drei, vier Tagen dringt es ins Innere der Knochen und heilt wirksam Entzündungen. Bei Rissen und Brüchen hilft es sehr zu einer raschen Verheilung. Ich habe in vielen Fällen in verhältnismässig kurzer Zeit mit Olivenöleinreibungen auch Knochenmarkentzündungen heilen können. Daher ist das Olivenöl besonders wertvoll bei Störungen im Inneren des Kopfes. Dort, wo weder Meissel noch Messer der Ärzte hinkommen, da kommt das Olivenöl hin. Deher die auffallend häufigen Heilungen von Kopfleiden, wie ich dies ausführlich in meienr zweiten Schrift "Raten und Retten" dargelegt habe.

 

Das Olivenöl ist also eine der kostbarsten gaben Gottes. Nicht umsonst wird es bei mehreren Sakramenten der katholischen Kirche als Materie verwendet. Weil es alles durchdringt, sogar den harten Stein, dient es zur immerwährenden Salbung und wird sogar zum Symbol des Wirkens des Heiligen Geistes. So verstehen wir auch, weshalb der Patriarch Jakob den Stein, auf dem sein Haupt geruht hatte, am Morgen als Malzeichen aufstellte und mit Öl übergoss.

 

Ich verwende das Olivenöl meist in Verbindung mit der Anwendung von Kohlblatt. Nachts wird das Kohlblatt aufgelegt, am Morgen folgen die Einreibungen mit Olivenöl. Das ist in allen jenen Fällen das beste, wo tagsüber Kohlblattauflagen meist nicht in Frage kommen.

Man merke sich: Es soll das kaltgepresste Olivenöl angewendet werden. Offen lässt sich dies aber nicht allzulange halten, es wird ranzig und bekommt einen unangenehmen Geruch. Äusserlich wird man es noch wieter angewenden können, doch ist frisches Olivenöl wirksamer.

Bei der Behandlung von Knochenerkrankungen möchte ich vor der Anwendung von Murmeltieröl warnen. Es mag seinen Dienst tun bei Erkältungen der Brust, darf aber niemals auf Knochen gebracht werden. Es scheint die Knochen aufzuweichen zu zerstören. Das Olivenöl schadet den Knochen nicht, auch dann nicht, wenn es lange angewendet wird.

Arachidöl und Nussöl scheinen für die äusserliche Behandlung kaum eine Wirkung zu zeitigen. Hat das Johannisöl als Grundstoff Olivenöl, dann ist es besonders wirksam.

 

Das Olivenöl hat noch eine andere, ganz besonder Eigenschaft, auf die ich nicht zuletzt die Ärzte aufmerksam machen möchte. Man kann mit dem Olivenöl den ÖLTEST vornehmen. Reibt man nämlich Olivenöl ein und trocknet nachher mit einem rauhen Tuch ab, so zeigen die kranken Stellen sofort eine starke Rötung. Zum Beispiel gibt das Olivenöl die Ausdehnung einer Lungenentzündung, einer Bronchitis oder auch eines einfachen Katarrhs an. Kranke Nieren scheinen auf durch rote Flecken, und nicht selten zeigt sich die ganze Niere in ihrer Bohnenform. Bei Leiden der Wirbelsäule zeigt das Olivenöl augenblicklich die erkrankte Region an. Knochenrisse und Brüche werden als rote Striche genau gezeichnet sichtbar. Der ÖLTEST kann also sehr wichtige Hinweise geben" (P.Thomas Häberle, Helfen und Heilen, Residenz Verlag, S. 51 ff).